Lebenslauf

Die Zeitleiste beinhaltet wichtige Daten aus dem Leben und Wirken Willy Brandts sowie zahlreiche Fotos – auch aus unserem Museum. Zum Ansehen des Lebenslaufs scrollen Sie die Seite einfach nach unten. Viel Spaß!

Geburt in Lübeck

18. Dezember 1913

Geburt in Lübeck

Willy Brandt wird am 18. Dezember 1913 als uneheliches Kind der Konsum-Verkäuferin Martha Frahm in Lübeck geboren. Sein eigentlicher Name ist Herbert Ernst Karl Frahm. Die uneheliche Geburt und die 1933 erfolgte Namensänderung in Willy Brandt werden nach dem Krieg zu bösen Verunglimpfungen durch den politischen Gegner führen.

Mitglied der SPD

1. Juni 1930

Herbert Frahm wird Mitglied der „Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands“, der von der SPD 1922 für 14- bis 18Jährige gegründeten autonomen Jugendorganisation. Mitte 1930 wird er als 16-Jähriger  Mitglied der SPD, obwohl das Mindestalter für den Parteieintritt bei 18 Jahren lag. Julius Leber, Chefredakteur des „Lübecker Volksboten“, bürgte für seinen Schützling.

Beitritt zur SAP

25. Oktober 1931

Herbert Frahm bricht mit seinem Mentor Julius Leber und tritt der im Oktober 1931 gegründeten SAP (Sozialistische Arbeiterpartei) bei. Er erhoffte sich mehr politische Möglichkeiten im Kampf gegen die Diktatur Hitlers. Später erkennt er dies als Fehler und kehrt in die SPD zurück.

Abitur

18. Februar 1932

Am 18. Februar besteht Herbert Frahm am Lübecker Gymnasium „Johanneum“ sein Abitur. Sein Abiturzeugnis zeigt zweimal  „Sehr gut“ in den Fächern Geschichte und Religion, aber auch zweimal „Mangelhaft“ in Latein und Turnen. Wegen des Bruchs mit Julius Leber und der SPD erhält er kein Studien-Stipendium und tritt eine Lehre als Schiffsmakler bei der Fa. Breitling an. Geld verdient er zusätzlich mit journalistischer Arbeit.

Flucht

1. April 1933

Flucht

Herbert Frahm ändert im März 1933 seinen Namen – sicher auch unter dem Eindruck drohender Verfolgung durch die Nazis – in „Willy Brandt“ und emigriert Anfang April über Dänemark nach Norwegen. Ob drohende Verfolgung oder ein Parteiauftrag der SAP ausschlaggebend waren, wird unterschiedlich bewertet.

Nach Berlin

22. Oktober 1936

Im Auftrag seiner Partei, die politische Leitung der Gruppe ‚Metro‘ zu übernehmen, reist Willy Brandt unter dem Decknamen Gunnar Gåsland im Oktober 1936 nach Berlin. Er soll den Kontakt mit den im Reich verbliebenen SAP-Mitgliedern pflegen und die Möglichkeiten ausloten, Widerstand gegen das NS-Regime zu leisten. Dies erweist sich aber nach der außenpolitischen Aufwertung, die das Regime erfahren hatte, als kaum durchführbar. Kurz vor Weihnachten 1936 verlässt Brandt Berlin in Richtung Prag.

Spanischer Bürgerkrieg

20. Februar 1937

Willy Brandt berichtet für mehrere norwegische Zeitungen vier Monate lang von verschiedenen Schauplätzen des Krieges in Spanien.

Ausbürgerung

5. September 1938

Ausbürgerung durch die GESTAPO. Willy Brandt ist jetzt „staatenlos“.

Flucht

1. Juli 1940

Nach der Besetzung Norwegens flieht Willy Brandt, der aus Tarnungsgründen für kurze Zeit eine norwegische Uniform trug, nach Schweden.

Familie

30. Oktober 1940

Am 30. Oktober 1940 kommt Brandts Tochter Ninja zur Welt. Am 30. Juni 1941 heiraten Willy Brandt und Anna Carlota Thorkildsen in Stockholm. Seine Frau und Tochter Ninja tragen nun den Namen Frahm, den Willy Brandt stets im Umgang mit den norwegischen Behörden verwendete.

Nürnberger Prozesse

20. November 1945

Bei Kriegsende kehrt Willy Brandt von Stockholm nach Oslo zurück. Er reist nach Deutschland und berichtet als Korrespondent für skandinavische Zeitungen u. a. vom Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, der am 20. November 1945 in Nürnberg beginnt.

Presseattaché

1. Januar 1947

Willy Brandt, der seit 1940 offiziell norwegischer Staatsbürger ist, arbeitet als Presseattaché an der norwegischen Vertretung beim Kontrollrat in Berlin.

Wiedereinbürgerung

1. Juli 1948

Am 1. Juli 1948 erhielt Willy Brandt von der schleswig-holsteinischen Landesregierung wieder die deutsche Staatsbürgerschaft. Er ist Vertreter des SPD-Vorstands in Berlin.

Familie

4. Oktober 1948

Nach der Scheidung von Anna Carlota Thorkildsen heiratet Willy Brandt 1948 Rut Bergaust, geb. Hansen. Am 4. Oktober des gleichen Jahres kommt ihr erster Sohn Peter zur Welt.

Deutscher Bundestag

7. September 1949

Vertreter Berlins im Deutschen Bundestag (bis 1957, 1961)

Berliner Abgeordnetenhaus

3. Dezember 1950

Von 1950 bis 1969 ist Willy Brandt Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

Präsident des Abgeordnetenhauses

11. Januar 1955

Am 11. Januar 1955 wird Willy Brandt zum Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses gewählt. Er hat das Amt bis 1957 inne.

Regierender Bürgermeister

3. Oktober 1957

Vom 3. Oktober 1957 bis zum 1. Dezember 1966 war Willy Brandt Regierender Bürgermeister von Berlin. In unserer Rubrik „Denkwürdiges“ erinnern wir an diese Zeit.

Mauerbau

13. August 1961

Der Mauerbau in Berlin gehört zu den traurigsten und einschneidendsten Erlebnissen des Regierenden Bürgermeisters. In der kurze Zeit später stattfindenden Bundestagswahl unterliegt Willy Brandt dem Amtsträger Konrad Adenauer. Der Wechsel gelingt auch 1965 gegen Ludwig Erhard nicht.

Parteivorsitzender

16. Februar 1964

Auf dem Außerordentlichen Parteitag am 16. Februar wird Willy Brandt zum Parteivorsitzenden der SPD gewählt. Er folgt Erich Ollenhauer, der am 14. Dezember des Vorjahres gestorben war. Brandt bleibt Vorsitzender seiner Partei bis 1987.

Außenminister

1. Dezember 1966

Nach dem Scheitern der Regierung Erhard bilden CDU/CSU und SPD die erste Große Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Willy Brandt wird Außenminister und Vizekanzler.

Bundeskanzler

28. September 1969

Das Ergebnis der Bundestagswahlen ermöglicht Willy Brandt mit knapper Mehrheit die Bildung der ersten sozialliberalen Koalition. Er wird der erste SPD-Kanzler seit 1930, Walter Scheel (FDP) Außenminister und Vizekanzler. Er hat dieses Amt bis zu seinem Rücktritt am 6. Mai 1974 inne. Während seiner ersten Regierungserklärung spricht er den legendären Satz: Wir wollen mehr Demokratie wagen.

Kniefall

7. Dezember 1970

Anlässlich der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages reist Willy Brandt in die polnische Hauptstadt. Bei der Kranzniederlegung am Mahnmal für die Helden des Warschauer Ghetto-Aufstandes kniet Willy Brandt nieder. Die seinerzeit vielfach missverstandene Geste gehört heute zu den Ikonen europäischer und internationaler Verständigung.

Friedensnobelpreis

10. Dezember 1971

Willy Brandt wird am 10. Dezember 1971 in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen. In der Begründung heißt es u. a.: „Willy Brandt hat als Chef der westdeutschen Regierung im Namen des deutschen Volkes die Hand zu einer Versöhnungspolitik zwischen alten Feindländern ausgestreckt.“

Neuwahlen

19. November 1972

Wider Erwarten übersteht Willy Brandt Ende April ein Misstrauensvotum der Opposition. Bei den Neuwahlen am 19. November 1972 wird die Politik Brandts eindrucksvoll bestätigt.

Rücktritt

6. Mai 1974

Am 6. Mai tritt Willy Brandt infolge der Guillaume-Affäre von seinem Amt als Bundeskanzler zurück.

Deutscher Bundestag

3. Januar 1976

Wiederwahl Willy Brandts in den Deutschen Bundestag über die Landesliste NRW. Brandt bleibt Mitglied des Deutschen Bundestages bis 1992.

Sozialistische Internationale

26. November 1976

Sozialistische Internationale

Willy Brandt wird in Genf zum  Vorsitzenden der „Sozialistischen Internationale“ gewählt.

Nord-Süd-Kommission

9. Dezember 1977

Auf Bitten von Robert McNamara übernimmt Willy Brandt den Vorsitz der „Nord-Süd-Kommission“ (bis 1983). Die konstituierende Sitzung findet am 9. Dezember 1977 auf Schloss Gymnich bei Köln statt. In unserer Rubrik „Denkwürdiges“ erinnern wir an die Vorlage des zweiten Berichts der Kommission im Jahr 1983.

Umzug

1. April 1979

Willy Brandt zieht mit seiner späteren Ehefrau Brigitte Seebacher nach Unkel. Das Paar wohnt in einem Appartement in diesem Mehrfamilienhaus in der Eschenbrenderstraße 4.

Europäisches Parlament

10. Juni 1979

Von 1979 bis 1983 ist Willy Brandt Mitglied des Europäischen Parlaments.

Familie

9. Dezember 1983

Nach der Scheidung von seiner zweiten Frau Rut im Jahr 1980 heiratet Willy Brandt in Unkel Brigitte Seebacher.

Umzug

8. November 1989

Am Tag des Mauerfalls ziehen Willy Brandt und seine Ehefrau Brigitte Seebacher in ihr neues Unkeler Haus „Auf dem Rheinbüchel“.

Mauerfall

9. November 1989

Am Tag nach dem Mauerfall reist Willy Brandt nach Berlin. Bei der Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus betont er, dass nun „zusammenwächst, was zusammengehört“.

Deutsche Einheit

3. Oktober 1990

Am 3. Oktober 1990 findet Willy Brandts Lebensziel seine Erfüllung: Die deutsche Einheit.

Geiselbefreiung

5. November 1990

Willy Brandt reist nach Bagdad und erreicht in Gesprächen mit Saddam Hussein die Freilassung von annähernd 200 Geiseln. Der Diktator hatte sie als „lebende Schutzschilde“ an militärisch wichtigen Einrichtungen platzieren lassen. Zynisch hatte er von „Gästen des Irak“ gesprochen.

Letzte Rede

12. März 1992

Willy Brandt hält am 12. März 1992 seine letzte Rede vor dem Deutschen Bundestag, in der er die Aufarbeitung der SED-Diktatur fordert. Zwei Tage später tritt er wegen seiner Erkrankung vom Amt des Vorsitzenden der Sozialistischen Internationale zurück. Sein Nachfolger wird der Franzose Pierre Mauroy.

Tod in Unkel

8. Oktober 1992

Tod in Unkel

Am 8. Oktober um 16:35 Uhr stirbt Willy Brandt an den Folgen seiner Darmkrebserkrankung. In einem Staatsakt am 17.10. im Berliner Reichstag (dem ersten seit der Beisetzung von Gustav Stresemann im Jahre 1929) würdigt  die Bundesrepublik Deutschland die Verdienste Willy Brandts. Er wird auf dem Waldfriedhof in Berlin-Zehlendorf neben dem Grab von Ernst Reuter beigesetzt.

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