30.01.1933: Adolf Hitler wird Reichskanzler

Am 30. Januar 1933 ernennt Reichspräsident von Hindenburg den Führer der NSdAP, Adolf Hitler, zum Reichskanzler. Er handelt damit gegen den Geist der Weimarer Verfassung. Schlagartig setzt in Deutschland die Verfolgung des politischen Gegners ein. In der Nacht vom 27. zum 28. Februar 1933 brennt der Reichstag.

Bis heute wird kontrovers diskutiert, ob die Nazis die Brandstiftung verübten. Überschattet vom Terror der Nazis gegen die politische Opposition finden am 5. März 1933 Reichstagswahlen statt, die Hitler nicht die erhoffte absolute Mehrheit bringen. Wenige Wochen später wird das „Ermächtigungsgesetz“ Hitler diktatorische Vollmachten verschaffen. Als einzige Partei wird die SPD gegen das Gesetz stimmen.

Herbert Frahm, so heißt Willy Brandt zu dieser Zeit noch, ist Mitglied der SAP, einer linken Abspaltung der SPD. Er lehnt die vonden Sozialdemokraten betriebene Hinhaltetaktik gegenüber den Nazis ab. Am 6. Februar 1933 ruft Frahm in der Lübecker Holstenhalle als SAP-Redner bei einer Massenversammlung zum „einheitlichen Kampf aller Massenorganisationen gegen den Faschismus“ auf.

Flugblatt „Brief aus Deutschland“. Quelle: Willy-Brandt-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung.

In dieser Zeit verteilt er außerdem Flugblätter, in denen er sich für den „antifaschistischen Kampf“ und die Sammlung linker Kräfte einsetzt. Beispielhaft für diese Flugblätter steht der hier in Auszügen abgebildete„Brief aus Deutschland – Der Sieg des Faschismus in Deutschland“.

Das Flugblatt stammt  vermutlich vom März 1933. In ihm nimmt Herbert Frahm auf den Reichstagsbrand Bezug, den er als „letzte große Wahlreklame“ bezeichnet. Auch zu den Umständen, unter denen die Wahlen am 5. März 1933 stattgefunden hatten, fand er deutliche Worte:

„Die Wahlen fanden unter dem schlimmsten Terror statt, einem Terror, der sich nach dem ergaunerten Wahlerfolg der Nazis noch verschärfte.“

Herbert Frahm macht den „sogenannte(n) Reformismus, der in der Hauptsache durch die S.P.D. und die freien Gewerkschaften vertreten wurde“, dafür verantwortlich, dass „dem Faschismus der Weg geebnet“ wurde.

Sein früher Widerstand gegen den Nationalsozialismus zwingt ihn dazu, dass er seinen Namen in Willy Brandt ändert und dass er Anfang April 1933 Deutschland verlässt und ins Exil nach Norwegen geht.

Das Flugblatt wurde zur Verfügung gestellt vom Willy-Brandt-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

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