9. Februar 1983: Vorlage des 2. Berichtes der Nord-Süd-Kommission

1977 hatte Willy Brandt auf Bitte des Weltbankpräsidenten Robert McNamara (vormals US-Verteidigungsminister) den Vorsitz der Nord-Süd-Kommission übernommen. Die offizielle Bezeichnung war „Unabhängige Kommission für Entwicklungsfragen“.

Der 1980 erschienene erste Bericht „Das Überleben sichern“ lenkt den Blick auf aktuelle Probleme der „Dritten Welt“.  Das Vorwort von Willy Brandt ist bemerkenswert und von hoher Aktualität. Brandt verwendet in ihm zum ersten Mal den Begriff ‚Globalisierung‘ und schreibt u.a.:

„Die Globalisierung von Gefahren und Herausforderungen – Krieg, Chaos, Selbstzerstörung – erfordert eine Art ‚Weltinnenpolitik‘, die über den Horizont von Kirchtürmen, aber auch nationale Grenzen weit  hinausreicht.“

Das Dokument zeigt einen Auszug aus diesem Vorwort in englischer Sprache mit handschriftlichen Anmerkungen von Willy Brandt.

Aus dem Vorwort zum ersten Bericht. Quelle: Willy-Brandt-Archiv im AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

Am 9. Februar 1983 legt die Kommission einen zweiten Bericht vor, der den Titel trägt „Hilfe in der Weltkrise“ und eine Reihe von Sofortmaßnahmen vorschlägt, um der zunehmenden Verschlechterung der weltwirtschaftlichen Lage entgegenzutreten. Der Bericht richtet sich an Regierungen, internationale Organisationen und die Wirtschaft mit der Aufforderung, diese Vorschläge aufzunehmen.

Was die Wirksamkeit des ersten Berichts betrifft, zieht Willy Brandt im Februar 1983 eine ernüchternde Bilanz. Keine der damals vorgeschlagenen Reformen sei praktisch in Angriff genommen worden. Die internationale Gemeinschaft sei mit der Lösung der schwierigsten Fragen nur wenig vorangekommen. Die Kommission bezweifle, dass das bestehende Instrumentarium ausreiche, mit den Ungleichgewichten sowie mit der Bewältigung der globalen Liquiditäts- und Schuldenfragen fertig zu werden.

Von Unkel aus war Willy Brandt im Rahmen seiner Tätigkeit für die Nord-Süd-Kommission zu zahlreichen Reisen in alle Welt aufgebrochen. Sein Kalender verzeichnet in den Unkeler Jahren annähernd 200 Reisen. Er setzte sich dafür ein, in einer sich immer mehr vernetzenden Welt die Bekämpfung von Not, Hunger und Elend in den Mittelpunkt politischer Bemühungen zu stellen und dafür internationale Verantwortlichkeit einzufordern.

Verwendetes Material: Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10.2.1983: „Vorschläge zur ‚Hilfe in der Weltkrise“

Das Dokument wurde zur Verfügung gestellt vom Willy-Brandt-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

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