8. März 1963: Wiederwahl Willy Brandts zum Regierenden Bürgermeister von Berlin

Willy Brandt wird am 3. Oktober 1957 zum ersten Mal zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt. Er tritt die Nachfolge von Otto Suhr an, der am 30. August 1957 gestorben war.

In Brandts Amtszeit als Regierender Bürgermeister fallen zwei schwere Krisen um die „Frontstadt“ Berlin:

Am 27. November 1958 löste ein Ultimatum der Sowjetunion, das Berlin zu einer „Freien Stadt“ machen sollte, eine schwere Krise aus. Das Ultimatum scheitert am Widerstand der Westmächte und der Bundesregierung. Willy Brandt gibt in einer Kundgebung in West-Berlin am 1. Mai 1959 der Vision einer vereinten Stadt und eines vereinten Landes Ausdruck:

„Der Tag wird kommen, an dem das Brandenburger Tor nicht mehr an der Grenze steht.”

Eine weitere schwere Krise löst der Beginn des Mauerbaus am 13. August 1961 aus. Willy Brandt agiert auch in dieser Situation entschlossen und verurteilt in Reden scharf das Vorgehen der DDR-Machthaber. Unvergessen ist seine Rede vom 17. August 1961 vor Hunderttausenden Westberlinern:

„Die Sowjetunion hat ihrem Kettenhund Ulbricht ein Stück Leine gelassen, das Ergebnis eines schreienden Unrechts kann kein papierner Protest sein.“

Die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus vom 17. Februar 1963 sehen die SPD mit knapp 62% der Stimmen vor der CDU, die knapp 29% der Stimmen erhält. Nach diesem Ergebnis wählt das Berliner Abgeordnetenhaus Willy Brandt am 8. März 1963 zum dritten Mal zum Regierenden Bürgermeister. Von den 134 Abgeordneten stimmen 97 für und 37 gegen ihn.

Plakat der SPD für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im Februar 1963. Quelle: SPD/AdsD.

Das von uns ausgewählte Dokument zeigt ein Plakat der SPD für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus  vom 17. Februar 1963. Die Formulierung „Berlin bleibt frei“ steht für Willy Brandts unermüdlichen Einsatz für die Freiheit Berlins. Als Regierender Bürgermeister Berlins bestand er  die historischen Herausforderungen der Berlinkrise von 1958 und des Mauerbaus von 1961.

Das machte einen Großteil seiner Popularität – und die dritte Wahl in das Amt des Regierenden Bürgermeisters – aus. Auch wenn seine Politik – unter den damaligen Umständen – nur der Freiheit „Westberlins“ gelten konnte, waren Willy Brandts Vorstellungen bereits in dieser Zeit von der Vision der Einheit der Stadt – und des deutschen Staates – geprägt; eine Vision, die in den Jahren 1989/90 Erfüllung finden sollte.

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