Mai 1973: Willy Brandt trifft die mächtigsten Männer der Welt

1973 trifft Bundeskanzler Willy Brandt die beiden mächtigsten Männer der Welt. Er reist zuerst vom 29. April bis 3. Mai 1973 zu Gesprächen mit US-Präsident Richard M. Nixon nach Washington, später im Mai empfängt er den sowjetischen  Generalsekretär Breschnew in Bonn.

Auszug aus dem Ablauf des Besuchs in den USA. Quelle: Willy-Brandt-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Wie das Dokument zeigt, erwartete den Bundeskanzler in den USA ein volles Programm. Nur ein Tag blieb zur freien Verfügung. Brandt tritt den USA gegenüber  für die Ebenbürtigkeit der Europäischen Gemeinschaft ein. US-Außenminister Kissinger hatte zuvor die untergeordnete regionale Rolle Europas herausgestellt, indem er die globalen Interessen der USA betonte.

„Auch wenn die Vereinigung Europas noch bei weitem nicht abgeschlossen ist, werden Sie doch die Realität unseres Wunsches spüren, diesem Europa schon jetzt so zu begegnen, dass es der eine große Partner sein wird“,

so verlieh der Bundeskanzler seiner Überzeugung von seinem starken vereinten Europa gegenüber dem Präsidenten Ausdruck.

Gut zwei Wochen nach Rückkehr von seiner USA-Reise empfängt Bundeskanzler Brandt den sowjetischen Generalsekretär Leonid Breschnew in Bonn. Brandt kannte Breschnew seit seinem Besuch im September 1971 in Oreanda auf der Krim.

Anders als auf der Krim präsentiert sich Willy Brandt als ein Gesprächspartner, der,  gestärkt durch das überzeugende Wahlergebnis vom November 1972, seinem Gast mit Selbstbewusstsein und Offenheit gegenübertritt.

Willy Brandt schreibt in seinen Erinnerungen:

„Unsere Vertragspolitik war … von deutlichen Fortschritten geprägt: Gerade hatte der Bundestag den Grundlagenvertrag mit der DDR gebilligt, auch einige Abgeordnete der Opposition hatten dafür gestimmt. Der Beitritt zu den Vereinten Nationen  war mit noch größerer Mehrheit beschlossen worden, etwa die Hälfte der Opposition hatte ja gesagt. Auch ließ sich ein bedeutender Aufschwung des Handels mit dem Osten feststellen. Wir unterzeichneten einen Zehnjahresvertrag über die Entwicklung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit.“

Mit dem ersten Besuch Breschnews in der Bundesrepublik Deutschland wurde ein weiterer Schritt in der Annäherung zwischen den beiden Staaten getan.

Ablaufplan für das Bankett am 18.5.1973. Quelle: Willy-Brandt-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Großen Wert wurden auf die protokollarischen Einzelheiten während des Besuchs gelegt: Begrüßung auf dem Köln-Bonner Flughafen mit militärischen Ehren, die Unterbringung Breschnews auf dem Petersberg, wo die Präsidentensuite eigens für den Besuch hergerichtet worden war, das Bankett am ersten Besuchstag im Palais Schaumburg mit 60 ausgewählten Gästen. Und natürlich nicht zu vergessen: der Mercedes, den Breschnew von der Firma Daimler als Gastgeschenk erhielt – in den sich der leidenschaftliche Autofahrer spontan setzte, um ihn in der dritten Kurve der kurvigen Straße den Petersberg hinab an einen Baum zu fahren. Die Polizei übersah die Aktion großzügig.

Die Dokumente wurden zur Verfügung gestellt vom Willy-Brandt-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

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